~ Chronik der Stadt Judenburg ~

Die Altstadt Judenburgs, der ältesten urkundlich belegten Handelsstadt der Steiermark, liegt in 737 m Höhe (gemessen am Stadtturm) am Rande des Aichfeldes auf einer im Diluvium entstandenen Terrasse, an derem nördlichen Abhang die Mur vorbeifließt. Im Süden der Stadt erheben sich die Seetaler Alpen mit ihrem höchsten Berg, dem Zirbitzkogel.

Früheste Zeugnisse menschlicher Besiedelung reichen bis in das 3. und 2. Jahrtausend v. Chr. zurück. Als bedeutendster Fund gilt der Strettweger Kultwagen, der 1851 durch Zufall mit anderen wertvollen Stücken in einem Grab im nördlich der Stadt gelegenen Ort Strettweg entdeckt wurde, der wahrscheinlich ein Import aus dem mittelmeerländischen Raum ist, um 500 v. Chr. in das Grab gelangt sein, aber wohl wesentlich früher entstanden sein dürfte.

Aus mehreren Gründen kann auf eine stärkere Besiedelung während der Römerzeit geschlossen werden: Nach dem Ende der römischen Herrschaft in Noricum blieb das obere Murtal durch seine Lage im Schutz der steirischen Rundgebirge weitgehend von den Umbilden der Völkerwanderungszeit verschont; doch kam es durch die von Osten und Südosten nachdrängenden Awaren seit dem Ende des 6. Jahrhunderts zu fortschreitender friedlicher Landnahme durch die Karantaner (Alpenslawen).
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Im 8. Jahrhundert erfolgte von Süden (Aquilea) und Norden die Christianisierung des Gebietes, in dem sich von 9. bis zum 11. Jahrhundert der fränkisch-bayerische Einfluß verstärkte. Seit dem 10. Jahrhundert kam es immer wieder zu Magyareneinfällen in der Steiermark, Wehrbauten und Burgen gewannen daher an Bedeutung in den Grenzmarken, die in Grafschaften eingeteilt waren. Das Zentrum einer dieser Grafschaften ist im Gebiet von Judenburg zu suchen, wo die Markgrafen aus dem Geschlecht der Markwartinger (=Eppensteiner) schon im 10. Jahrhundert nachweisbar sind.

Der Name „Judinburch“, der 1074 erstmals in einer Urkunde des Stiftes Admont genannt wird, bezieht sich auf die am Ostabfall der Stadtterrasse gelegenen Gaugrafenburg. Westlich dieser Burg entwickelte sich der „mercatum Judenpurch“, der 1103 urkundlich bezeigt ist und damit das älteste bekannte Beispiel eines Stapel- bzw. Niederlassungsrechts in Österreich ist.

Am 24. April 1224 erhielt Judenburg durch Herzog Leopold VI, das Stadtrecht. In der ersten Hälfte des 13. Jahrhunderts entstand die planmäßige Anlage der Handelsstadt zuletzt aufgrund des Baues einer Wasserleitung durch Ulrich von Liechtenstein, den steirischen Minnesänger und bedeutenden Staatsmann, dessen Burg östlich der Stadt auf dem Liechtensteinberg als Ruine erhalten ist. Die Bürgerstadt und der Burgbezirk wurden nach und nach durch heute noch weitgehend erhaltene Stadtmauern zusammengeschlossen, doch blieb zwischen beiden ein freies Feld, auf dem erst 1357 das Augustinereremitenkoster erbaut wurde. Durch die Ansiedlung adeliger Geschlechter im Burgbereich kam es zur Ausbildung der „Ritterstadt“ in dem Viertel rund um den heutigen Martiniplatz.

Um 1300 ließen sich die „Ersten Juden“ an der nördlichen Stadtmauer „am Gehag“ (Bereich der heutigen Heiligen-Geist-Gasse) nieder. Um diese Zeit erfolgte ein außerordentlich rascher Aufstieg der Stadt auf dem Gebiet des Handels und der Kultur. Judenburg wurde zur Wiege der österreichischen Goldmünzung und der Judenburger Gulden galt im 14. Jahrhundert als wichtigste Goldmünze Österreichs. Man gründete Klöster, Kirchen und Spitäler, die reich ausgestattet wurden. Herrliche Glasfenster wie die der Magdalenenkirche wurden geschaffen, um 1400 blühte die Tafelmalerei („Judenburger Schule“), in der ersten Hälfte des 15. Jahrhunderts schufen Künstler wie Hans von Judenburg großartige Plastiken, die Glockenschmiede Hans Mitters gilt heute noch als die bedeutendste des steirisch-kärntnerischen Raumes und Judenburg war in der 2. Jahrhunderthälfte Sitz einer Waffenschmiede, deren Erzeugnisse im Grazer Zeughaus bewundert werden können.

1496 wurden die Juden des Landes verwiesen. Trotz der kriegerischen Zeitläufe herrschte in Judenburg eine rege Bautätigkeit. Der Fernhandel bis in die Niederlande und über Venedig in den Orient blühte, die Stadt hatte das Monopol des Handels mit Speik, einer als Kosmetikum, als Heil- und als Zaubermittel geschätzten wohlriechenden Pflanze aus den nahegelegenen Bergen. An die Stelle des Handels mit Roheisen trat der mit Eisenwaren, in der Umgebung entstanden Hammerwerke und im 16. Jahrhundert war Judenburg ein Zentrum der Blankwaffenerzeugung und die wichtigste Schwertschmiede des Landes.

In der Reformationszeit entwickelte sich die (nach dem Stadtbrand von 1807 abgebrochene) Martinikirche zum Zentrum der neuen Lehre, der der Adel und viele Bürger anhingen. Der Katholizismus verlor an Boden, viele Klöster verarmten. Damals wurde in Judenburg die erste höhere Lehranstalt, die evangelische Landschaftsschule errichtet. 1598 wurden die Prädikanten des Landes verwiesen und die Schule geschlossen.

Die Gegenreformation wurde hauptsächlich von den Jesuiten getragen, die das Augustinereremitenkloster übernahmen, Kirche und Kloster umbauten und weitere Gebäude erwarben. Bis zur Aufhebung des Ordens (1773) prägten sie das religiöse und kulturelle Leben Judenburgs.

Im 18. Jahrhundert wirkte die „Judenburger Schule“ des Bildhauers Balthasar Prandstätters und seines Werkstattnachfolgers Johann Nischlwitzers; ihre Werke finden sich in Judenburg und in zahlreichen steirischen und kärntnerischen Kirchen.

1748 wurde Judenburg Kreisstadt. Die josefinischen Reformen wirkten sich durch die Aufhebung der Klöster und religiösen Spitäler und andere Maßnahmen nachhaltig aus.

Bis zum Ende des 18. Jahrhunderts eine relativ ruhige Kleinstadt, hatte Judenburg während der Franzosenkriege an durchziehenden Truppen schwer zu leiden. Schon in den vergangenen Jahrhunderten war Judenburg durch Brände verwüstet worden (so besonders 1504, 1670 und 1705); der Stadtbrand von 1807 verschonte nur 9 Häuser und der furchtbare Brand von 1840 zerstörte rund 100 Gebäude der verarmten Stadt.

Seit der Mitte des 19. Jahrhunderts ging es in Judenburg aufwärts: 1868 wurde die Stadt Schnellzugstation der Kronprinz-Rudolf-Bahn, 1869 erhielt Judenburg die erste steirische Landesbürgerschule und 1874 die erste Hochquellenwasserleitung der Steiermark, 1891 wurde das Allgemeine Landeskrankenhaus eröffnet und um 1906 entstand die „Steirische Gußstahlwerke AG“.

Der Ausbruch des Ersten Weltkrieges beendete diese positive Entwicklung und auch die Nachkriegsjahre waren durch wirtschaftlichen Niedergang und politische Wirren geprägt. Trotz dieser Krisenjahre wurde die neue Straße am Osthang der Stadtterrasse angelegt und die neue Murbrücke erbaut (1932) und auch das kulturelle Leben war äußerst rege.

Der Zweite Weltkrieg traf Judenburg schwer und 1945 war die Stadt während zweier Monate in eine russische und englische Besatzungszone geteilt.

In den folgenden Jahrzehnten wuchs die Stadt weit über ihre ehemaligen Grenzen hinaus, große Bauvorhaben, so der Umbau der ehemaligen Jesuitenkirche zur Festhalle, das neue Freibad, das Schulzentrum am Lindfeld und andere mehr, konnten verwirklicht werden.

Im Jahr 1989 war Judenburg Austragungsort der Steirischen Landesausstellung mit dem Thema „Menschen & Münzen & Märkte“, die neben positiven Impulsen für den Fremdenverkehr vor allem auch eine Belebung des Bauwesens mit sich brachte. Der Hauptplatz wurde neu gestaltet, Fassaden und Innenhöfe renoviert und neue hübsche Geschäfte errichtet.

1990 konnte das Stadtmuseum endgültig das umgestaltete Gebäude in der Kaserngasse beziehen.

Neben geschichtlichen Erinnerung und historischen Bauten bietet die Bezirksstadt Judenburg auch ein reichhaltiges Angebot für eine aktive Freizeit- und Urlaubsgestaltung. Vor allem mit dem in den Jahren 1990/91 neu gestalteten Hallen- und Erlebnisfreibad steht den Judenburgern und den Gästen der Stadt gemeinsam mit vielen anderen modernen Sport- und Erholungsanlagen ein breitgefächertes Freizeitangebot zur Verfügung.

Kulturell hat die Stadt erstmals im Jahr 1990 mit der Durchführung des Musikfestivals „Judenburger Sommer“ international auf sich aufmerksam gemacht. Dieses Kulturangebot der besonderen Art soll die Stadt nun Jahr für Jahr im September für einige Wochen mit Musik erfüllen.

In Judenburg wird also viel unternommen, um dem Ruf eines pulsierenden Handelszentrums und einer lebens- und liebenswerten Stadt auch weiterhin gerecht zu bleiben. So freute sich die Stadt im Jahre 1990 über die Auszeichnung durch den Österreichischen Gemeindebund für „Vorbildliche Leistungen auf dem Gebiet der Umwelt-, Kultur- und Ortsbildpflege“ sowie für eine besondere Tourismustauglichkeit.

Der Startschuß zu einem überaus erfolgreichen Kulturprogramm erfolgte 1990 mit der erstmaligen Durchführung des Musikfestivals JUDENBURGER SOMMER, das Künstler aus der ganzen Welt nach Judenburg lockt. Aus dem einstigen Musikfestival wurde ein Kulturfestival mit großer Bandbreite, die von Klassik über Rock, Pop, Jazz, Kabarett, Musical und Volksmusik bis hin zur Bildenden Kunst reicht. Alljährlich erfüllt diese Großveranstaltung Anfang September die Stadt für einige Wochen mit Musik. Aber auch das bereits seit 1990 stattfindende Judenburger Stadtfest ist zu einem Fixpunkt im kulturellen und gesellschaftlichen Leben des gesamten Aichfeldes geworden. Unter dem Motto „Die ganze Stadt ist Bühne“ wird hier für jeden Geschmack und jedes Alter Unterhaltung Non-Stop geboten.

Aber nicht nur auf kulturellem Sektor ist die Stadt Judenburg auf der Überholspur. Auch im Bereich Tourismus geht man neue Wege. Vor wenigen Jahren wurde ein neues Jugend- und Familiengästehaus eröffnet, die Rad- und Wanderwege ausgebaut, und auch die vielfältigen Sport- und Freizeitmöglichkeiten in den Angebotskatalog aufgenommen. Die Stadt selbst lockt mit einem der modernsten Erlebnisbäder der Steiermark, das auf Grund seiner Serviceleistungen, der Wasserqualität und des hohen Erholungswertes erst 1998 mit dem Steirischen Bädergütesiegel ausgezeichnet wurde. Neben diesem El Dorado für Wasserfreaks bietet die Stadt aber noch eine ganze Reihe von Freizeitmöglichkeiten: Rundwanderwege um die Stadt, wunderschöne Parkanlagen, eine Tennishalle, mehr als 20 Tennis-Freiplätze, mehrere Sporthallen, Radwanderwege, Ausflugsziele in unmittelbarer Stadtnähe, aber auch zahlreiche Schanigärten und eine abwechslungsreiche Gastronomie laden zum Bleiben ein. Ein modernes Veranstaltungs- und Konferenzzentrum, mit mehreren Seminarräumen, bietet auch für verschiedenste Veranstalter, Vereine, Firmen und Betriebe ideale Voraussetzungen für Seminare, Messen, Produktpräsentationen, Bälle und gesellschaftliche Veranstaltungen jeder Art.

Auch im Bereich Stadtmarketing wird eifrig gearbeitet, um dem Ruf eines pulsierenden Handelszentrums gerecht zu werden. Umwelt-, Kultur- und Ortsbildpflege sind in Judenburg keine Schlagworte mehr, sondern die Grundsteine für eine erfolgreiche Kommunalpolitik, deren einziges Ziel es ist, die Stadt Judenburg für ihre Bewohner - aber auch für die vielen Gäste - interessant, lebens- und liebenswert zu machen und zu erhalten.

 

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